Nächstenliebe gestern in der U-Bahn

Berlin, gestern in der U7:

Ich sitze in der U-Bahn, die Menschen sehen müde aus, andere lesen oder tippen wie in Trance auf ihrem Handy herum. Ausgerechnet vor mir, sitzt ein Mädel, welches ihr Leben mit allen Mitfahrern teilen möchte. „Oh nöööö….” (denk ich mir). Es geht um einen Arzttermin. Sie telefoniert. Ich muss mir alles mit anhören, will es aber garnicht, bin genervt! Schlimm genug das mein Mp3 Player keinen Saft mehr hat. „Warum ausgerechnet jetzt?” (denk ich mir). Drei Haltestellen später steigt sie endlich aus. Ich drehe mich zu ihrer Freundin, die zurückgeblieben ist und der das Telefonat sichtlich peinlich war, und sage: „Na endlich!” – Die Mitfahrer schienen ebenfalls froh darüber ?

Ich musste fast weinen.

Kurz darauf kommt ein anonymer Mensch durch die Gänge gekraucht. Er läuft an zwei Krücken und fragt nach Essen oder Kleingeld. Kennt sicher jeder. Ich auch. Trotzdem berührt mich dieser Mensch, der nicht älter sein wird als ich selbst. Er sieht aus wie ein Penner. Ich kann ihm nichts geben, da ich kein Essen in der Tasche habe, geschweige denn Geld – dass ärgert mich. Ich schaue ihn mit großen Augen an, alle anderen nehmen ihn nicht mehr wahr. Ich höre ihm aufmerksam zu. Lauthals sagt er: „Es muss doch Jemanden geben der etwas hat, oder?” (fragt mich) „…der mehr hat als ich und mir etwas geben kann, jemanden dem es besser geht als mir und der mir hilft das ich nicht verhungere.” Nicht Heute. „Solche Menschen gibt es doch, oder? Es ist für mich auch sehr schwer und peinlich nach Essen oder Geld zu fragen! Und wie mich die Menschen anstarren, schrecklich… Ich will es doch auch nicht, aber ich muss! Gibt es denn nicht Wen der mir helfen kann?” Ich nicke ihm verständnisvoll zu, er hat recht, vermittele ich ihm. Sehe tief in seine Augen. Er hat recht! Doch ihm zu erklären das diese Menschen nicht U-Bahn fahren, erschien mir eher schwierig, der Schweif der ebenfalls dran hängt auch. Ich musste fast weinen.

Da packt die Frau die neben mir sitzt, einen Beutel Kekse aus der Tasche und gibt sie ihm. Er bedankte sich. In seinen Augen sah ich, das Herz was sich bedankte. Nicht den Penner, nicht die Gedanken – er könnte selber Schuld an seinem Schicksal sein. Nein! Zwei Menschen die sich nicht kennen, sich dennoch helfen, Lebensgrundlage schaffen können, mit einer selbstlosen Tat. Mit einem Beutel Kekse. Ist das nicht wundervoll?

Ich hoffe es ist ein Anfang. Ein Anfang, einer besseren Welt, mit Menschen die nicht länger blind und egoistisch sind! Denn nur zusammen, haben wir die Kraft alle satt und habend zu machen. Wir leben im Paradies! Lasst uns teilen! Freude, Nächstenliebe und Nahrung. Damit jeder Mensch leben kann, und zwar in Würde!

von Marianne Lindgrün

 


Ein Gedanke zu „Nächstenliebe gestern in der U-Bahn

  • 22. Juni 2013 um 10:07
    Permalink

    wow.

    endlich mal ein artikel, in dem es nicht um „die dumme masse“ und die „böse elite“ oder den untergang europas geht.

    bitte mehr davon

    Antwort

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